Viktorianische Spitze - Geschichte des Occhi

Im ersten Teil der Occhi-Serie geht es also um die Geschichte, die Herkunft der Technik. Wie erwähnt sind Knoten Grundbestandteil des Occhi.

Knoten sind ubiquitär und uralt. Deswegen lässt sich der Ursprung des Occhi nur schwer bestimmen. Viele verorten die Anfänge in China. Andere behaupten es gäbe Funde in ägyptischen Gräbern, bleiben allerdings der Quellen schuldig. Dann war es ein italienischer Seemann, dem auf Fahrt langweilig wurde.

Sicher ist, dass das Knoten im 18. Jahrhundert beim Adel beliebt wurde. Entsprechend waren die Schiffchen aus edlem Material; Elfenbein, Schildkrötpanzer. Im Grünen Gewölbe im Dresdner Schloss finden sich auch Schiffchen aus Bernstein. Mit solchen Prachtstücken ließ die Dame von Stand sich auch gern Porträtieren.

Allerdings sind diese Schiffchen wesentlich größer als heute verwendete.  Auch ist immer vom Knoten die Rede. Zum Beispiel in diesem Gedicht von 1707, das sich auf Königin Mary, Tochter von James II. von England, bezieht:
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 The Royal Knotter

“Oh happy people! We must thrive
Whilst thus the Royal Pair dost strive
Both to advance your glory. While he (by valour) conquers France,
She manufactures does advance
And makes thread fringes for ye!

Blessed we! Who from such Queens are freed,
Who by van superstition led,
Are always telling beads,
For here’s a Queen now thanks to God!
Who when she rides in coach abroad,
Is always knotting threads.”
Sir Charles Sedley
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Liest man das Gedicht genau, erfährt man, was die Dame knotet. So heißt es in Zeile fünf “..makes thread fringes for ye!”. Hier geht es also keineswegs um Spitze sondern um Fransenborten.
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  "the word “Tatting” does not appear in English literature before 1842.“

»Needlework Through History« by Cathrine Amoroso Leslie 
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Ein deutlicher Hinweis darauf, dass Occhi eine eigenständige Handarbeitsform darstellt, die sich erst später entwickelt hat.

Dies geschah wohl Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals kam neben der Häkel- auch die Schiffchenspitze auf. Stücke aus dieser Zeit bestehen allein aus Ringen. Die Picots wurden mit einem separaten Faden zusammengeknotet. Viele Kleinteile, die zu einem Großen gefügt wurden.

Detail einer alten Occhi-Spitze von Tatting Origins

Ab 1860 entstanden viele der heute bekannten Techniken. Einige davon gehen auf Mlle Eleonore Riego de la Branchardie zurück. 1861 beschrieb sie in »Tatting, Edging & Insertions« die heute noch verwendete Methode zum Anschlingen von Picots. Zudem führte sie das Arbeiten mit zwei Schiffchen ein. Dies ermöglicht es Bögen zwischen den Kreisen zu arbeiten (1864, »The Royal Tatting Book«).



Nadelocchi nach dem »Tatting Book« von Mlle Riego, 1861

Oft wird auch die Verwendung einer Nadel statt des Schiffchens auf Mlle Riego zurückgeführt. Doch findet sich schon im »Ladys Work-Table Book« von 1843 eine solche Beschreibung. Die bebilderte Anleitung in Mlle Riegos »The Tatting Book« ist jedoch anschaulicher. Nichtsdestotrotz erinnert diese Technik deutlich stärker an Schiffchenarbeit denn an heutiges Nadelocchi.

Diesem schon ähnlicher sieht das Häkelocchi. Eine Anleitung dazu findet sich im »Harpers Bazar« von 1868. Die Knoten werden auf der Häkelnadel aufgereiht und der Faden hindurchgezogen.
Häkelocchi-Anleitung aus dem »Harpers Bazar«, 1868

Wann allerdings das heute bekannte Nadelocchi entstand, konnte ich nicht herausfinden.


Ornament

Hoffentlich habe ich euch nicht zu sehr gelangweilt. Wahrscheinlich schwirrt euch jetzt der Kopf. So viele verschiedene Techniken und das Ergebnis sieht immer gleich aus!

Die nächsten Artikel werden praktischer. Versprochen!

Aber vielleicht kehrt ihr zum Schluss der Occhi-Reihe noch einmal hierher zurück. Bis dahin könnt ihr in den historischen Büchern schmökern oder den »Harpers Bazar« durchblättern.

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