Der Uhrwerksfächer

Ich weiß es nicht mehr genau, wann es anfing; das Steampunkfieber. Eines der ersten Symptome jedenfalls war ein Projekt, das sich über Jahre hinziehen sollte:

Der Uhrwerksfächer


Die Idee entstand ziemlich früh in meinem Kopf. Ich weiß noch dass ich tagelang auf dem Fußboden rumgekrochen bin und Zahnräder gezeichnet habe. Das Papier war zu groß für meinen Schreibtisch.


Damit, einfach ein paar Rädchen auf’s Papier zu werfen, war es jedoch nicht getan. Der Umriss der einzelnen Fächerblätter musste vorher feststehen. Dann auf ein großes Transparentpapier übertragen, konnte ich mich daran orientieren, während auf der Rückseite das Uhrwerk entstand. Dabei habe ich darauf geachtet, dass es möglichst wenige freistehende Teile gab.

2013

Der Fächer selbst besteht aus einen Millimeter dicken, dreilagigen Buchenspanplatten aus dem Modellbaubedarf. Die Blätter sind entlang der Faserrichtung der äußeren Spane ausgerichtet. Nach dem Sägen standen noch Grate an den Seiten, die mit dem Taschenmesser abgeschnitten wurden.


Dann wurde der ganze Block eingespannt und geschliffen. Und noch etwas Schleifen. Weil es so schön ist, kann man ja gleich weiter Schleifen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit waren die Fächerblätter dann auch (fast) alle gleich breit. Einzelne sind hier schon in den Ausschuss gewandert, weil zu schmal gesägt.

2014

Die Löcher hat mir dann ein Kollege mit der Standbohrmaschine gebohrt.


2015

Für das Aussägen der Ecken empfahl mein Freund mir zwei, drei Millimeter Sicherheitsabstand zu lassen.

Bedeutete natürlich, dass noch zwei, drei Millimeter weggeschliffen werden mussten. Also wieder Schleifen, schleifen und nochmal schleifen. Diesmal mit dem Dremel. Als ich dann völlig entnervt und mit Holzstaub bedeckt fertig war, meinte mein Freund: Ja, war vielleicht doch einwenig übertrieben, der Sicherheitsabstand.
Danke, dass wir das geklärt haben!


In der Zwischenzeit hatte ich die einzelnen Fenster auf festes Papier übertragen und ausgeschnitten (unten). Mit diesen Schablonen wurde das Muster übertragen (1). Dann an allen Ecken Löcher gebohrt. Größere Kreise wurden bei der Gelegenheit auch gleich ausgebohrt (2). Danach konnte die grobe Form mit der Laubsäge ausgesägt werden (3). Mit dem Dremel wurden dann Kanten geglättet und an feinen Stellen nachgearbeitet (4). In Übereinstimmung mit angrenzenden Fächerblättern musste daraufhin das Muster auf den Stegen ergänzt werden (5) bevor mit dem Brennstift die Konturen nachgezogen werden konnten (6). Zum Schluss die restlichen Bleistiftstiche wegradieren, eventuell nachschleifen, fertig (7).


Als ich nun den Fächer aufgezogen länger in der Hand hatte, lösten sich an den langen Seiten immer mal Splitter. Zuvor hatte ich alle Kanten schon mit 180er Papier abgeschliffen. Doch gerade an den Längsseiten verläuft die Kante in flachem Winkel zur Maserung. Das begünstigt das Ausreißen von Splittern. Also musste mit 400er nachgeschliffen werden.


Dann stand die Frage nach Farbe im Raum. Da haben mir die Kommentare auf Facebook und im Rauchersalon weitergeholfen.
Ursprünglich wollte ich einzelne Zahnräder vergolden, entschied mach dann zugunsten von einigen Glanzlichtern, die mit Inka Gold in “Gold-Braun” gesetzt wurden. Mit dieser Farbe habe ich auch den Schnitt vergoldet.


Auf einem Teststück habe ich die Wirkung von Leinöl bzw. einer Möbelversiegelung, die noch über war, ausprobiert. Letztlich habe ich mich für das Öl entschieden. Dessen Farbe ist zwar etwas heller, hat allerdings auch eine Tendenz zum Nachdunkeln. Klarer Nachteil der Versiegelung: Sie macht die Oberfläche sehr rau. Nach der Leinölbehandlung fühlt sich das Holz hingegen samtweich an.


Nach vier Tagen ist das Holz nun endlich trocken und ich kann den Fächer zusammensetzen. Durch das unterste Loch kommt ein 1,5 Millimeter Draht, der an beiden Seiten umgebogen ist. Daran noch eine Schlaufe mit Quaste. Wenn ich mal passenden Messingdraht habe, wird dieser Teil noch ausgetauscht.

Durch die drei kleinen Löcher oberhalb des Uhrwerkbildes kommt Angelschnur, die die Öffnung des Fächers definiert.



Damit ist der Briséfächer fertig. Jetzt kann der Sommer kommen, ich bin gewappnet!

Kommentare:

  1. Wow, was für eine Arbeit - das sieht einfach sensationell aus!
    Sowas ist mit Geld gar nicht zu bezahlen, ein richtiger Schatz.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Vielen Dank! Schön, dass er auch Nicht-Steampunks gefällt ;-)
      Ja, ich hab mal zusammengerechnet: Eine vorsichtige Schätzung ergibt 50 Arbeitsstunden. Da kann man sich denken, was da auf dem Preisschild stehen müsste...

      Grüße!
      Zedena

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  2. Der ist wirklich sooo schön geworden *_*
    Ich hoffe der fächert dir auch gut Luft zu :D

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    1. Vielen lieben Dank und Wind macht er schon ganz gut.

      Grüße!
      Zedena

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  3. Ich bin hingerissen! so viel Geduld, Präzision, Hingabe, Schönheit... ich kann es gar nicht fassen! Und ich liebe Fächer ja sowieso - aber der hier verdient einen Platz in einer Vitrine!
    Liebe Grüße
    Tutursula von Ungefähr

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    1. Vielen Dank für das Lob. Aber für eine Vitrine wäre er wirklich zu schade!
      Sie können das gute Stück, ja am Wochenende in Karlsruhe begutachten.

      Bis dahin!
      Steamige Grüße,
      Zedena

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