Tutorial | Auf leuchtenden Schwingen

Was wäre eine Libelle ohne Flügel? Keine Ahnung, aber auf alle Fälle keine Libelle.

Steampunk Dragonfly Calopteryx vaporis | Photo: Eva Seidel | www.zeitunschaerfe.de
Photo: Eva Seidel

Und tatsächlich sind solche Flügel ziemlich einfach zu machen, sehr leicht und problemlos in’s Outfit zu integrieren. Meine Inspiration und Anleitung habe ich vorrangig von dieser Videoanleitung von Aubrey Bouck und dem Instructable von Mikaela Holmes bezogen.

An Material habe ich verwendet:
- selbstklebende durchsichtige farblose Folie (z.B. Buchklebefolie),
- irisierende Cellophanfolie,
- stabilen Draht z.B. 3mm galvanisierten Stahldraht,
- Lichtleiterkabel (auch Lichtleiter oder Lichtfaser genannt),
- LED-Lichterkette mit Farbwechselfunktion und Fernbedienung, ideal für Leute, die nicht selbst programmieren können,
- Tupperdose mit Klippverschluss,
- Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben, passende Schraubenschlüssel,
- Lacke, Alufolie oder Klebeband (erkläre ich später genauer)

Werkzeuge:
- Winkelschleifer oder Dremel mit Trennscheibe,
- Zangen,
- Akkubohrer

DIY Tutorial Fairy wings - Material | www.zeitunschaerfe.de

Die Flügel bestehen aus einem Sandwich aus selbstklebender Folie und irisierender Cellophanfolie, dazwischen liegen das Drahtgerüst und die Lichtleiterfasern. Zuerst startet man mit einer Vorzeichnung um Flügelform und Verlauf der Adern festzulegen. Gerade die Adern realistisch hinzubekommen ist gar nicht so einfach, da habe ich zwei Anläufe gebraucht.

DIY Tutorial Fairy wings - Layout | www.zeitunschaerfe.de

Bevor wir jedoch mit dem Bau der Flügel starten, ein paar Grundlagen zum Thema Lichtleiterfasern.

Licht leiten und verteilen

Achtung! Jetzt wird’s physikalisch! Aber keine Sorge es bleibt praktisch.

Ihr erinnert euch bestimmt noch an diese Lichtpuschel, die Anfang der 2000er total in waren? Im Standfuß waren kleine Leuchten und dadrauf so ein Bündel Plastedrähte, die dann an den Spitzen leuchteten. Diese Plastedrähte sind Lichtleiterkabel und die Basis unserer heutigen Telekommunikation (siehe Glasfaserkabel). Dieses Tutorial über Lichtleiter kommt also direkt durch Lichtleiter auf euren Bildschirm.

Diese Kabel tun genau das, was ihr Name sagt, sie leiten Licht von einem Ende zum anderen und das möglichst verlustfrei. Das Ganze basiert auf der Totalreflektion.

Basics zum Thema Lichtbrechung und Lichtleitung

Dass sich Licht bricht, wenn es von einem Material zum andere übergeht, ist ja allgemein bekannt. Deswegen kriegt der Stock einen „Knick“ wenn man ihn ins Wasser stellt. Aus der Schule dürfte auch die Totalreflektion noch irgendwo im Hinterstübchen eingelagert sein. Wenn nämlich das Licht aus einem optisch dichteren Material, wie Wasser, Diamant oder Plastik, an eine Grenzfläche zur Luft kommt, kann es bei bestimmten Winkeln sein, dass es gar nicht aus dem Material herauskommt, sondern zurückreflektiert wird. Und genau das passier innerhalb eines Lichtleiters andauernd. Das Kabel ist optisch sehr dicht und das Licht fällt in flachem Winkel ein und wird immer wieder an den Kabelwänden zurückreflektiert, so dass es keine Chance hat zu entkommen. Es ist eingesperrt wie in einem Käfig, nur am Ende der Faser ist ein Ausgang.

Basics zum Thema Lichtbrechung und Lichtleitung

In einem perfekten Lichtleiter würde man also nur am Ende einen kleinen Lichtpunkt sehen. Warum sind dann aber bei den Bildern im Instructable die ganzen Fasern zu sehen?

Erstens: Nichts ist perfekt.

Ein kleiner Teil des Lichtes schafft es immer aus dem Kabel heraus, bspw. dank Verunreinigungen im Kabel, die zu Streuung führen, oder dank quantenmechanischer Effekte wie zB. Oberflächenplasmonen.

Basics zum Thema Lichtbrechung und Lichtleitung

Zweitens: Kurven

Wenn der Lichtleiter gebogen wird, verändern sich die Auftreffwinkel an der Kabelwand so, dass neben der Totalreflektion auch normale Brechung stattfinden kann, also Licht nach außen dringt.

Drittens: Bündelung, lange Belichtungszeiten und Photoshop

Das Kabel und die Bündel im Tutorial sind sehr dick, man kriegt also viel Licht durch bzw. es kann auch auf dem Weg zum Kabelende viel Licht verloren gehen. Außerdem sind die Bilder wahrscheinlich mit relativ langer Belichtungszeit, offener Blende und hohem ISO-Wert aufgenommen und entsprechend nachbearbeitet worden. Ich habe ein paar Photoversuche gemacht und bin dezent verzweifelt.

Aber es gibt noch eine weitere Möglichkeit um die Lichtleitung zu beeinflussen und die Adern zu erleuchten: Schleifpapier!

Basics zum Thema Lichtbrechung und Lichtleitung

Kratzer in der Kabeloberfläche sind wie Lücken im Käfig. Hier ist die Geometrie anders und das Licht kann entweichen. Besonders effizient ist es, wenn die Kratzer senkrecht zur Faser verlaufen. Kratzer, die mit der Faser gehen, schlucken einfach nur das Licht, so das auch am Ende nichts mehr herauskommt. Man muss allerdings vorsichtig sein. Durch zu viele Kratzer kann das Licht bereits auf dem Weg komplett verloren gehen und am Kabelende kommt nichts mehr an.

Die Flügel

So nach dem theoretischen Teil widmen wir uns endlich dem Bau der Flügel. Anhand der Vorlage habe ich den 3mm Draht in Form gebracht. Da der Draht so dick ist, muss man mit der Trennscheibe ran, um ihn von der Rolle zu schneiden. Den Flügelumriss habe ich auf die selbstklebende Folie gelegt. Unter der Folie liegt die Vorzeichnung, an der man sich für die Adern orientieren kann. Beides ist auf den Tisch geklebt, damit nichts verrutscht.

DIY Tutorial Fairy wings - Wing frame | www.zeitunschaerfe.de

Innerhalb dieses Rahmens hab ich die Lichtleiterfasern angeordnet. Jedes einzeln oder in Paaren auf die Klebefolie gelegt und leicht angedrückt. Die Fasern darf man nicht knicken, sonst geht die Lichtleitung verloren. Aber in sanften Bögen ergibt sich fast automatisch ein natürliches Muster der Flügeladern. Am Ansatz der Flügel laufen alle Aderen zusammen. Auf dieses Bündel hab ich dann eine Taschenlampe gestellt, um für den nächsten Schritt die Lichtausbreitung zu testen.

DIY Tutorial Fairy wings - optic wire | www.zeitunschaerfe.de

Ohne Bearbeitung leuchten die Fasern wirklich nur am Ende. Mit mittelfeinem Schleifpapier habe ich vom Rand aus begonnen die einzelnen Lichtleiter quer zur Faserrichtung aufzurauen. Dank der Taschenlampe sieht man sofort die zusätzlichen Lichtpunkte auf den Flügeladern und weiß, wann genug ist. Bei den dicken Faserbündeln darf man nur ganz vorsichtig vorgehen. Zu viele Kratzer und es kommt kein Licht mehr in den Flügelspitzen an. Da hier aber viele Adern liegen, braucht es auch nicht viel um genügend Licht zu generieren.

DIY Tutorial Fairy wings - cellophane | www.zeitunschaerfe.de

Wenn man mit der Lichtverteilung zufrieden ist, kommt der letzte Schritt: Die irisierende Cellophanfolie. Diese gleichmäßig und möglichst blasenfrei aufzukleben ist eine ganz schöne Fisselarbeit. Am Besten funktioniert es die Folie teilweise aufzurollen und am Flügelansatz zu beginnen. In der einen Hand die Rolle, kann man mit der anderen Hand die Folie glattstreichen. Zum Schluss die Flügel mit etwas Abstand zum Draht ausschneiden und fertig.


Die Aufhängung

Für die Planung des Rückenhalters ist wichtig, sich bewusst zu machen, welche Funktionen und Anforderungen dieses Teil erfüllen muss. Das Rückenteil stellt die Verbindung zwischen Körper und Flügel her. Also braucht es eine Befestigung am Rücken und die Verschraubung der Flügel. Letztere darf nicht permanent sein, sonst wird die Sache sperrig und schwer zu transportieren. Das Ganze darf nicht zu schwer werden und muss trotzdem auch die Lichteinheit aufnehmen. Auch an die Lichteinheit muss man immer mal ran zum Batterienwechsel.

Stabil, leicht, wiederverschließbar? Lösung: Tupperdose bzw. ein No-name-Equivalent. Ich habe mir die kleinste, flachste Version mit Klippverschluss gekauft, der Kaufhof im Sortiment hatte. Die Verschraubungen sind alle am Deckel. Der Dosenkörper enthält nur die Leuchteinheit.

DIY Tutorial Fairy wings - wing assembly | www.zeitunschaerfe.de

Die Drahtenden der Flügel wurden in Schlaufen gebogen und zurückgeschnitten. An den passenden Stellen habe ich Löcher in den Deckel gebohrt und die Flügel mit M6 Sechskantschrauben und Muttern befestigt. Unterlegscheiben nicht vergessen. (Nach diesen Bildern habe ich die Unterlegscheiben auf beiden Seiten des Tupperdeckels festgeklebt. Das erspart etwas Arbeit beim Zusammenschrauben).

Außerdem kommen noch Löcher in den Deckel, durch welche die Faserbündel geführt werden. Und die Rückenhalterung. Die besteht einfach nur aus einer Drahtschlaufe, etwa 25cm lang, die ebenfalls mit dem Deckel verschraubt ist. Die Drahtschlaufe wird später einfach hinten in’s Korsett gesteckt. Der Draht ist stabil genug die sehr leichte Konstruktion zu tragen. Und auf diese Weise sind die Flügel vielseitig kombinierbar.

DIY Tutorial Fairy wings - Back plate | www.zeitunschaerfe.de

In der Dose befindet sich die LED-Lichterkette mit Batteriebox. Die Kette habe ich aufgerollt und auf einer Pappe befestigt, damit die LEDs möglichst unter den Faserbündeln zu liegen kommen. Unter der Pappe liegt die Batteriebox und es ist noch genügend Platz um für den Transport auch die Fernbedienung und Schrauben dort zu verstauen. Damit ist alles an einem Platz.

Für die bessere Lichtausbeute ist die Dose von innen mit einem Metallklebeband ausgekleidet. Man kann auch Alufolie nehmen, Hauptsache reflektierend. Von außen ist die Dose schwarz lackiert, damit möglichst wenig Licht herausscheint.

DIY Tutorial Fairy wings - finished wings light up in the dark | www.zeitunschaerfe.de

Und zum Schluss noch ein Bild von den Leuchteflügeln. Allerdings noch aus der WIP-Phase. ein ordentliches Shooting im Dunkeln ist schon in Planung!

Verlinkt beim Creadienstag, unter den Dienstagsdingen und bei Handmade on Tuesday.

Kommentare:

  1. Sehr sehr cool! Das Kostüm sieht genial aus und die Flügel sind der Hammer! Da wirst Du auf jeden Fall Aufsehen mit erregen!

    Liebe Grüße
    anna

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  2. Sehr innovativ! die Suche nach den richtigen materialien ist ja eine Wissenschaft für sich - mich beeindruckt Deine Geduld und Beharrlichkeit von der Idee im Kopf bis zu Umsetzung. Das ist wirklichg ganz großes Kino. LG Kuestensocke

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