August - On the Road

Ja, mich gibt’s noch! Auch wenn im August nicht viel von mir zu sehen und zu hören war. Lag einfach daran, dass ich beruflich super viel in der Weltgeschichte rumgereist bin. 

Meine Wege haben mich vor allem nach Bayern und Baden-Würtemberg geführt, immer an der Bahn lang. Und man glaubt gar nicht, wie viele interessante Orte in direkter Umgebung liegen. Zum Beispiel der KZ-Friedhof bei Schwabhausen (Weil) wo ca. 130 jüdische Gefangene starben als der Gefangenentransport auf der Schiene von einem alliierten Luftangriff getroffen wurde. Und das etwa zwei Wochen vor Kriegende. Weniger deprimierend war dann die Wallfahrtskirche St. Leonhard bei Kaufering, die Unterkunft in Landsberg am Lech oder der kurze Abstecher an den Bodensee. 






Funktion vs. Funktionalität

Reden wir heute mal über Goggles.

Der Steampunk und die Goggles, auch Schweißer-, Schutz- oder Fliegerbrillen - sind ein fast so ein leidiges Thema wie Steampunk und Zahnräder. Denn genauso wie einige nur funktionstüchtige Zahnräder dulden, gibt es Leute, die sich über Goggles auf Stirnen, Hüten und Zylindern aufregen, vor allem bei Outfits, die nie einen Heizungskeller von innen gesehen haben. Gerne auch in der Argumentation: Setzt dir eine Schweißerbrille auf und du bist Steampunk.

Photo: Karsten Schmidt

Ja, man sieht sie immer wieder, die Leute, die auf eine Veranstaltung gehen, vielleicht das erste Mal mit Steampunk konfrontiert werden, und sich als erstes Accessoire eine goldlackierte Schweißerbrille kaufen und sie stolz aufziehen. Oder jene, die man eher in Richtung Goth einordnen würde, eine Schweißerbrille tragen aber die Cybergoth-typischen Neonfarben vermissen lassen. Das sind im allgemeinen weder Steampunks noch nicht-Steampunks.

Vielleicht wäre proto-Steampunk ein guter Begriff. Steampunks, die noch werden - oder vielleicht auch nicht. Denn nicht alle, die sich vor Begeisterung mit Goggles schmücken und mal eine Steampunk-lastige Veranstaltung besucht haben, tauchen vollständig in das Genre ein. Sicherlich sind neben neuen, engagierten Steampunks auch einige Eintagsfliegen, begeisterte Zaungäste und Cosplayer dabei. Alles keine Schande und der natürliche Weg, wie eine Szene zu neuen Mitgliedern kommt.

In den Kommentarspalten trifft man allerdings noch auf einen weiteren Punkt, der an den allgegenwärtigen Schweißerbrillen kritisiert wird: Ihr Allgegenwärtigkeit. Vor allem auf pseudo-adeligen Köpfe. Oder auch als fester Bestandteil der Hutzier überladen mit Linsen und anderen Aufbauten, die einen Blick hindurch unmöglich machen. Kurz es wird angeführt, Schutzbrillen haben funktionstüchtig zu sein und auf Mechaniker- oder Fliegerköpfen zu sitzen.

Steampunk-Mechanikus | Photo: Stefan Beckmann-Metzner | www.zeitunschaerfe.de
Photo: Stefan Beckmann-Metzner

Letztlich sind wir hier wieder an der gleichen Stelle, wie schon mit den Zahnrädern. Die Funktion eines Objektes kann über den ursprünglichen Zweck hinausgehen. Gerade wenn man sich im Bereich Kleidung bewegt. Denn wenn es nur um die Funktion des Wärmehaushalts und der keuschen Bedeckung ginge, wäre Kleidung ziemlich unspektakulär.

Auch und gerade Accessoires haben sich von der eigentlichen Funktion als Zeitanzeiger, Aufbewahrung oder Regenschutz hin zum reinen Schmuck, Statement oder Statussymbol entwickelt. Und das trifft wohl auf kein Accessoire so sehr zu wie auf den Hut. Dazu muss man sich nur mal die Kopfbedeckungen bei der Royal Ascot-Rennwoche ansehen (Google-Bildersuche). Und bei den dort zu bestaunenden Absurditäten, gibt es wirklich Leute, die ich sich über funktionsuntüchtige Goggles beschweren?

Steampunk-Faun | Photo: Sylvia Welter | www.zeitunschaerfe.de
Photo: Sylvia Welter

Ich selbst habe erst spät mit den Goggles angefangen. Tatsächlich habe ich meine ersten und bisher einzigen Goggles für den Faun angeschafft. Da dienen sie hauptsächlich dazu den Übergang der Hörner zu verdecken. Für meine anderen Outfits fand ich es einfach nicht passend. Auch weil die Hüte zu klein gewesen wären um einer Schweißerbrille Platz zu bieten. Erst seit kurzem besitze ich einen Hut und eine Mütze, mit denen Goggles funktionieren. Deshalb sind auch die Bilder in diesem Post alle innerhalb des letzten Jahres entstanden.

Aber tatsächlich gibt es einen Punkt, der mich an Goggles stört - allerdings eher indirekt. Was? Das verrate ich ein andermal.

Eskalation im Juli

Die WeltCon war einfach großartig!

Ganz viele Herzmenschen getroffen, viele neue Herzmenschen kennengelernt - sogar jemanden aus der alten Heimat - und ne Menge Eskalation am Schockibrunnen.

Bilder gibt es natürlich auch: Hier, hier, hier und hier.

Steampunk-Faun im Wasser | Photo: Susann Reich | www.zeitunschaerfe.de
Photo: Susann Reich

{UfO} grün-güldene UfO-Tournüre abzugeben

Edit: Hat schon eine neues Zuhause gefunden. Das ging erstaunlich schnell! **freu**

Im letzten Post habe ich ja vorgeschlagen, Unfertige Objekte zur Adoption freizugeben. Genau das möchte ich jetzt tun. Ich suche jemanden, der sich meiner grün-güldenen Tournüre annimmt.

Diese Kopf-UfO schlummert schon seit Beginn meiner Steampunk-Karriere vor sich hin. Dann habe ich mal den Stoff dazu gekauft und letztes Jahr im Januar sogar schon das erste Stück, die Bluse, fertiggestellt. Auch der Stoff für den Überrock war schon zugeschnitten.

grün-güldene Tournüre Skizze | www.zeitunschaerfe.de

{UfO} Unfertig aber nicht ungeliebt

Als ich den Beitrag zur UfO-Tombola überarbeitet habe, viel mir auf wie negativ ich UfOs umschrieb: unfertig, ungeliebt, Schnee vom letzten Jahr.

Da stellte sich mir die Frage: Warum sollte man so etwas weitermachen wollen?

Die Antworten darauf sind so mannigfaltig, wie die Wege, auf denen ein Projekt in den UfO-Status abrutschen kann, hängen aber davon ab in welchem Stadium sich das jeweilige UfO befindet.

Doch als erstes ist Überblick gefragt: Was hat sich denn dort an Projekten angesammelt?

Kleine Schätze

Als ich die UfO-Tombola angelegt habe, war das ein guter Grund gezielt nach UfOs zu suchen. Tüten und Kistchen mit halbfertigen Dingen, machmal auch nur Materialsammlungen, Skizzen, Stapel mit ausgeschnittenem Stoff. Bei dieser Suche findet sich vielleicht noch einen kleinen Schatz.

Ein Projekt, dass fast fertig ist und ein super Accessoire für das neue Steampunk-Outfit abgeben würde.

Ein Traum von einem Kleid, nur müsste es noch zusammen genäht werden.

Ein Klunker, der perfekt zu dem neuen Shirt passt, lediglich der Verschluss fehlt.

Manchmal braucht es eben bloß noch eine kleine Sache, dann ist das gute Stück schon fertig.

Unfertige Halskette wurde beim Aufräumen gefunden
Diese UfO-Halskette hab ich beim Aufräumen des Schreibtisches gefunden

Wenn nicht so, dann anders

Selbst wenn die alte Liebe nicht neu entfacht, sind UfOs einen zweiten Blick wert. Aus etwas, dass nur zur Hälfte fertig gestellt ist, kann noch alles werden.

Weniger ist oft mehr - Wenn keine Jacke, dann eben eine Weste. Nicht genug Perlen für eine Halskette? Eine Armband oder zwei sind bestimmt drin.

Mehr ist eben doch mehr - mehr Borten, mehr Bänder, mehr Bling-Bling! Fehlt dem Projekt noch etwas Pepp, lohnt es sich mal über den Tellerrand zu schauen. Denn meist hat sich in der Zwischenzeit nicht nur die UfO-Halde vergrößert sondern auch der Materialfundus.

Quell der Kreativität - Keine Ahnung mehr, was das sein sollte? Egal, es könnte auch etwas vollkommen anderes werden.

Stoff für ein Tournürenkleid
Reststoff eines Tournüren-UfOs

Neue Perspektive gefunden

Manches Projekt rutscht in den UfO-Status ab, weil man einfach nicht weiter weiß. Wenn der Plan mit der Realität kollidiert und verliert.

Dann hilft etwas Abstand.

Wenn einem das Gebilde dann wieder in die Hände fällt, ist man um die ein oder andere Erfahrung reicher oder betrachtet das Ganze aus einem anderen Blickwinkel. Das reicht oft, damit der Groschen fällt.

Ähnlich verhält es sich mit Basteleien, die aus Frustration auf dem Abstellgleis gelandet sind.

Materialgrab und Kostenfalle

Egal in welcher Phase die Arbeiten ins Stocken gerieten, in so einem UfO stecken Zeit und Material. Wäre schade drum das verkommen zu lassen.

Selbst wenn man das Endprodukt nicht selbst trägt oder nutzt, hat vielleicht ein anderer Freude daran?

Vielleicht findet sich sogar jemand, der das Ganze als Bausatz übernimmt. Können UfOs adoptiert werden? Ich denke schon.

Materialrückgewinnung durch auftrennen
Mein "müsste mal aufgetrennt werden"-Glas - hier landet alles, das bereit für die Schere ist. Prototypen, Schmuck, der nicht mehr gefällt, fehlproduzierte Perlen, übriger Metellkram

Materialdepot

Als letzter Ausweg, wenn das Zettelchen ein ums andere Mal in die Tombola zurück gewandert ist, bleibt nur noch die UfO-Leiche zu fleddern.

Bei zugeschnittenem Stoff sieht es zugegeben meist schlecht aus. Hier bietet es sich eher an das Ganze umzuarbeiten.

Aber gerade bei Perlenarbeiten ist Auseinandernehmen eine einträgliche Sache. Zudem auch meditativ. Mich entspannt wenig so sehr wie das Sortieren von Perlensuppen.

~ - ~

UfOs sind es wert geliebt und abgeschlossen zu werden. Nicht nur, weil sie sonst Platz wegnehmen.

Andererseits kann auch ein alter Entwurf fruchtbarer Boden für eine neue Idee sein. Also schaut mal in den Ecken und Kisten nach, was sich da noch an angefangenem tummelt, geht in euch und macht was draus - auf die eine oder andere Art!